Wagesenberg bei Pöttmes
Obwohl ich zunächst meine Artikel über die Todtenweiser Burgen fortführen wollte, mache ich einen kleinen Ausflug nach Wagesenberg bei Pöttmes. Dort findet sich nämlich eine beeindruckende Wallanlage nebst Burgstall und evtl. einer Keltischen Viereckschanze.
Circa 1 1/2 km westlich des kleinen Ortes Wagesenberg findet sich auf einer Anhöhe tief im Wald ein Areal von 1,5-2 km, welches durch Funde der Bronze-, Urnenfelder- und Hallstattzeit und des Mittelalters auf eine intensive Besiedlung von 3000 Jahren schließen lässt.
Vom Wanderparkplatz (Wagesenberg nach Westen weg, erste Abzweigung im Wald links rein) aus über die Straße gehend nach Norden trifft man zunächst auf einige Wälle. Dabei soll es sich um eine Viereckschanze handeln, was ich aber nicht glaube. Ich halte es eher für bronzezeitliche (bzw. mehrperiodige) Anlagen. Aber da ich leider nichts genaueres dazu sagen kann, möchte ich mich gar nicht erst lange damit aufhalten und schnell die Bilder liefern:
Grabhügel:
Gleich an diese Anlagen anschließend, baut sich ein erster Wall auf:
Er bildet die Vorhut für die beeindruckenden Wälle der Ungarnfliehburg, die nun folgt. An einer Seite ist der Wall auf über 15 Meter aufgeschüttet (Bilder 1 – das große Foto sowie 5 und 6), die anderen Seiten führen natürlich ins Tal, sind jedoch künstlich versteilt (Bild 4) und führen an bestimmten Abschnitten einen Wall auf halber Höhe (Bilder 2 und 3). Das alles bildet ein riesiges Areal von geschätzen 300 x 300 Metern.
Aber warum diese sonderbare Bauweise mit unglaublich mächtigen Ausmaßen? Was war der Zweck dieser Anlagen?
Als das damals wilde Reitervolk der Ungarn in den 920er Jahren wieder nach Ostfranken bzw. Deutschland einbrachen und große Landstriche verheerten, begann man, diese sog. Ungarnfliehburgen aufzubauen. Diese wurden speziell der Angriffsweise der Ungarn angepasst, die mit ihren Pferden solche Anlagen natürlich nicht überwinden konnten. Die Ausmaße von einigen hundert Metern erklärt sich schlicht aus der große Anzahl der Leute, die sich dort aufhalten mussten. Nach dem Sieg der Ostfranken auf dem Lechfeld bei Augsburg 955 waren die Burgen plötzlich nutzlos und wurden zumeist schnell vergessen.
Zuletzt findet sich noch ein sehenswerter Mittelalterlicher Burgstall. Er ist von allen Seiten nur nach einer Kletterpartie zugänglich und rundum von einem zusätzlichen Wall umschlossen, auf dem “Gipfel” ist eine tiefe Mulde vorzufinden (Bild 3); offenbar ist die Holzburg dort eingebaut gewesen (typisch für Mottenburgen).
Quellen:
- Bay. Landesamt für Denkmalpflege (http://www.blfd.bayern.de/blfd/)
- Hermann Bierl: Archäologie-Führer Bayern (ISBN 3-934145-09-4)
- div. Artikel v. Wikipedia















Juli 6th, 2007 20:38
Ich habe mir Deinen Text über die Ungarnfliehburgen mit großem Interesse durchgelesen.
Hier gibt es bei Römhild auf bzw. an dem Kleinen Gleichberg eine sehr große Keltensiedlung, die sehr ähnliche Strukturen zeigt.
Am Fuß des Berges stehen ein Museum (und eine Kneipe) und eine sehr interessante “Kolonie” eines reichen Kunsthändlers aus Berlin (Mavrogordade, der irgendwann zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg mit seinen Freunden dort wohnte.
Ich glaube, das würde Dir auch gefallen.