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Archive for the 'Erzählungen / Lyrik' Category

Langspielplatten

Samstag, Januar 3rd, 2009

G. saß in sich zusammengekauert. Da saß er und überdachte sein Leben. Und dies tat er. Er tat es so, dass er Schallplatten auflegte, die er seinem kauernden Zustand angemessen empfand. Du dü du, die Musik. So musste er nicht zu viel nachdenken, während er über sein Leben nachdachte.
Auf dem Weg nach Hause, G. nimmt die Straßenbahn, war er auf den Zeh eines kleinen Herrn getreten. Oh wie weit ist es schon hier? hatte er noch gesagt, der kleine Herr, der kleine Herr mit Hut.
Immer und immer wieder keiste der Gedanke um G. wie die Nadel um die Langspielplatte. Nein! Die Nadel bleibt stehen, die Platte wird gedreht.
Wie weit es also ist? Dass es Leute wie G. gab. Es war damals schon so weit, dass Leute wie G. da waren.
Am nächsten Tag ging G. nicht zur Arbeit, denn er schämte sich. Man machte sich Sorgen dort und am andern Tag war man froh, G. wieder zu sehen. Der aber sah das, nein sah das nicht. Keinen Nutzen sah er mehr in seiner Arbeit, dachte nur an seinen Fehler und alle sein Fehler und nein, er dachte nur an die, die alle machten. Die anderen zu erkennen fehlte ihm das Beispiel.
G. wurde am Achten der folgenden Monats leblos aufgefunden, die Todesursache ist lächerlich.
Genau so.

eine Welt

Samstag, Januar 3rd, 2009

Wie finden Sie sich zurecht?
Einer, der mit dem Kopf eine Acht formt. Ein Anderer bleibt ohne Reaktion. Der Dritte schließlich, er nicht überlegen. Ich will darüber nachdenken. Ja, ich will darüber nachdenken.
Brauch ich die anderen nur, um Bestätigung zu erhalten, ja, für was brauche ich dann Bestätigung?
Geht die ganze Welt zugrunde und liegt der Fehler nicht an mir, das soll mich nicht bedrücken. Soll mich nicht.

Treuchtlingen

Montag, August 4th, 2008

Der Zug springt nach rechts ab, schämt sich jedoch gleich dafür und kehrt voller Reue in einem weiten Linksbogen auf die gerade Strecke nach Treuchtlingen zurück. Ich bin auf Reisen, wieder auf Reisen. Ein Reisender hat Glück. Dieser Gedanke lässt mich verschämt kichern, wie einen kleinen Jungen, der beim Kerschklauen nicht erwischt worden ist.
Keiner merkts, das Abteil ist fast leer; was nicht leer ist, schläft; was schläft, sündigt nicht und sieht keine Sünde nicht.

Ich war noch nie in Indien, darum kommt mir die Fahrt jetzt so vor. Der Zug hält in Meitingen.

Weil wir so langsam sind, müssen wir extra halten - ein ICE überholt, lauter noch, als der Wind, der durch die geschlossenen Fenster zu hören ist. Der ICE ist vorbei und wir haben unsere Demut bewiesen. Wir warten trotzdem noch zehn Minuten extra, wir sind gute Menschen.

Wir fahren über die Donau, als wärs nichts. In Donauwörth will ein Zug nach Warnemünde, das mache ich nicht mit. Nein. Dennoch weiter nach Norden.

Jetzt bin ich also da, es riecht nach Regen. Ein 15-jähriger Raucher macht sich Sorgen, weil ein Zwölfjähriger raucht. Auf der Burg bin ich ganz alleine, obwohl für ein Fest aufgebaut ist. Das war aber schon vor einem Jahr, weil das auf einem Plakat steht. Die Katholische Kirche ist 1933 gebaut worden, deswegen schaut sie trotzdem aus die eine Kröte.

Zurück am Bahnhof bin ich zu früh.
Der Tag hat nur 12 Stunden. Bleiben Sie über Nacht! Natürlich mit AMEROPA.
Libär mit dem VGN zu Flocke & Co.
ReiseZentrum travel center/centre de voyage
zu den Zügen 2-7
Runterlaufen oder Fahrstuhl fahren? Wir haben Zeit. Fahrstuhl fahren.

Jugendliche lachen ekstatisch.
Abendzeitung. Für Franken das Beste.
Eine der Jugendlichen rennt an mir vorbei die Treppe runter.
Elektrischer Betriebsraum. Zutritt nur Befugten gestattet.
Der Bahnhof liegt derart günstig, dass er ausschaut wie groß. Aber er ist so leer, dass man Angst bekommt. Da stimmt was nicht.
Der Zug kommt, weil es zu regnen beginnt.

Wieder in Donauwörth. Zwei Leute mit Fahrrad steigen aus, aber meine Augen schauen lieber den Regentropfen an der Scheibe zu. So viele schon und immer neue wollen dazukommen. Der Zug beschleunigt und sie beginnen zum Spaß einen Wettlauf, aber kurz bevor ein Sieger feststeht, hält der Zug auch wieder. Der Unmut ist bei den Tropfen so arg, dass es aufhört zu regnen und die verbliebenen Tropfen bewegen sich auch nicht mehr, als der Zug wieder anfährt. Man gibt sich stur.

Spät erst sieht mich der Schaffner im sonst leeren Abteil, wir sehen uns an wie zwei Raubtiere, die voreinander erschrecken. Der Kontrolleur besinnt sich als erster. Den Fahrschein bitte. Da schaut er, weil ich einen habe.
Sehr geehrte Damen und Herren, in Kürze erreichen wir Augsburg Hauptbahnhof.

Das neue Auto

Montag, August 4th, 2008

Ei, der Herr Nachbar hat ein neues Automobil, die Tochter wird 30. So alt schon, dass es grotesk ist.
Gäste kommen an, wieder welche, dann noch drei Stück. Später, es ist jetzt schon halb neun, versammelt sich die Truppe. Rührt euch. Aus der Truppe treten je zwei Leute eigener Wahl vor, betreten das neue Auto und drehen eine feine Runde. Oh, ist das Benzin teuer geworden, aber meine Tochter wird auch nur einmal 30. Der Sohn ist es schon. Dass immer die Männer älter sind.
Jetzt steigt eine Frau und eine weitere Person in das Auto. Wo ist die Mama? Die Mama kommt gleicht wieder, die Mama kommt gleich.
Arg länger als die anderen bleiben sie fort, die Mama und Frau wird bald vergessen, die andere Person ist es längst; die Truppe zieht sich wortlos zurück.
Da - es lacht einer.

Ach auch die Flüsse…

Montag, Juli 7th, 2008

Ach auch die Flüsse sind wie ein Menschenleben.

Da sind also die Mäander, die sich herumwinden, umzukehren versuchen und dabei doch nur zwei Schritte zurück machen.

Doch die Poesie eines Windungsreichen ist nichts zur Kraft des Geradegerückten. Er ist ein Tugendhafter, der mit Kraftwerken zu überzeugen weiß — Hochwasser treten über die Dämme, der ist doch närrisch.

Ja ja ja ja

Donnerstag, Juli 3rd, 2008

Da bin ich nun und habe kaum je gelernt, mich ordentlich zu artikulieren. Warum hast du nicht gelernt, dich ordentlich zu artikulieren? fragen sie und wollen mich heimsuchen. Man artikuliert sich ordentlich durch ein
Ja! Lauter: JA!
und vergisst darüber die Umstände. Dass sie mir vielleicht scheißegal sind, dass mich nur die schlechte Erziehung überkommt und für ein
Ja sorgt, lauter: JA!,
das bedenken sie nicht oder es ist ihnen gleich. Genauso gleich wie ihnen jeder andere gut wäre, der Rüpel und Rohling genug für ein
Ja, lauter: JA!
ist. So ist es also nun, dass mir nur die Möglichkeit bleibt, mich durch ein
Ja, lauter: JA!
zu unterscheiden, ist es nicht so?

Bekenntnisse

Samstag, Juni 28th, 2008

Diese lästige Angewohnheit der Suche nach dem Sinn.

Gestern, nein, vor zwei Tagen flog ein kleiner Vogel gegen meine Fensterscheibe. Tot war er freilich sofort. Er kannte das Glas noch nicht.

Sinn, die törichste und größte aller menschlichen Erfindungen. So hänge auch ich ihr mit größter Leidenschaft an.

Nichts landschaftlich Reizvolles

Samstag, Juni 14th, 2008

Nein, nichts landschaftlich Reizvolles, nur einen Müllberg und den Papst. Am Sonntag fahren die Leute zum Müllberg und steigen hinauf. Weil da ist Gras drüber und die ganze Gaudi schaut gleich aus wie im Allgäu. Ja, die fahren also da hin und steigen hinauf dass es eine Freude ist - auf ihren Müllberg, die Gersthofer. Obwohl der meiste Abfall in der Gegend ja bestimmt aus Augsburg kommt. Nicht, weil die nicht aufpassen, sondern weils gar so ein Haufen Leute sind, die Augsburger.

Jetzt fahren die Gersthofer halt an ihren Müllberg - den ja eigentlich die aus Augsburg gestaltet haben - haben lassen - und steigen hinauf. Die meisten schauen nach Augsburg rein, klar, und manche nach Gersthofen, vielleicht dass sie ihr Haus suchen, wo sie gerade waren, und auf jeden Fall - das heißt, die meisten schauen nur so in die Gegend, gar nicht so gezielt nach Augsburg oder ihr Haus in Gersthofen. Also auf jeden Fall sieht man, wenn Föhn ist, die Berge, wenn Föhn ist, also meistens im Frühjahr. Da sieht man dann also schon mal 100 Kilometer weit und schon noch weiter auch. Dabei kommt der Müll aus den Bergen bestimmt nimmer nach Gersthofen.

Arztbesuch

Montag, Mai 5th, 2008

Versichertenkarte, Praxisgebür.

Sklavenmarkt: Die dienstälteren Sklaven verhöhnen die Neuankömmlinge in Verachtung ihres Schicksals.

Gefängnis: Zum Tode Verurteile freuen sich über das Abführen eines Mitgefangenen, der nun die Todesspritze erhält.

Ich betrete das Wartezimmer. Zehn Leute erwarten mich, sie erkennen ihre Überlegenheit und… grüßen! Zwei nicht, diese sind Kinder. Sie haben noch nicht gelernt, sich wie Menschen zu benehmen.

Begegnung

Freitag, April 25th, 2008

.sich verhüllen in Einfalt,
sich ergeben in Einfalt.
.nur so wird dein Leben
zu dem was es ist!

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