Am Lechrain des Landkreises Aichach-Friedberg finden sich außergewöhnlich viele Burgen. Da Stein in der Region jedoch ein rares Gut war und fast nur mit Holz gebaut wurde, muss man schon etwas genauer hinsehen. Von allen 21 Befestigungsanlagen sind nur noch Burgställe, also Bodendenkmäler, erhalten. Kein Wunder also, dass diese oft sogar kaum den Anwohnern bekannt sind.
Doch auch diese Anlagen erzählen eine spannende Geschichte. Und da sich auf dem Gebiet der Gemeinde Todtenweis gleich drei mittelalterliche Burgen finden, möchte ich diese in der nächsten Zeit als Fotoserie vorstellen.
Da ich mit der Pfalzgrafenburg von Todtenweis beginne, gehe ich kurz in die Geschichte des Ortes. Kaiserin Kunigunde (980 - 1033) stiftete den Ort Todtenweis samt Besitzungen zum Seelenheil ihres verstorbenen Gemahls an das Kloster St. Ulrich und Afra. Die Weltliche Herrschaft (Vogteirechte) wurde jedoch rund hundert Jahre später an den Pfalzgraf Otto IV. übertragen. Da auch die Wittelsbacher eine sehr offensive Burgenpolitik betrieben, wurde daraufhin in Todtenweis eine Befestigungsanlage errichtet.
Diese Pfalzgrafenburg - erstmals 1177 in einer Urkunde genannt („castrum Taitenwis“), aber wohl schon ein halbes Jahrhundert vorher errichtet – wurde noch vor dieser Erwähnung wie schon der Ort an das Benediktinerstift St. Ulrich und Afra übergeben.
War die Burg im Westen von einem natürlichen Abhang in das Lechtal geschützt, musste im Osten eine Wallanlage errichtet werden - aber dazu später mehr. Neben einem Wohngebäude, ca. 15 auf 20 Meter, gab es wohl eine Hand voll weiterer Hütten und Ställe. Es waren stets zwei Dienstmannen auf der Burg, die uns zum Teil sogar namentlich bekannt sind. Daneben fand sich ca. 100 m nördlich der Burg eine sog. Vorburg, auf der sich ein dazugehöriger Wirtschaftshof fand. Rund um die Hauptburg waren Palisaden (Holzbefestigung) errichtet, im Osten sogar zwei Reihen.
So, nach der trockenen Theorie gehts endlich ans Eingemachte. Nun, was ist heute noch zu erkennen?
Zunächst eine Darstellung, die weder Anspruch auf Maßstabtreue noch auf Schönheit erhebt. Sie soll lediglich ein wenig Überblick bieten:

Wenn man von Südosten auf die Anlage trifft, steht man vor einem gewaltigen Wall und Graben, welcher zur Burg hin kaum überwindbar scheint. Sowohl auf dem Burgwall als auch auf der äußeren Erhöhung befand sich hier eine Palisade.

Im Süden und Norden der Burg kann man ein Plateau erkennen, welche sich außerhalb der Burg befinden.

Nun wollen wir gleich mal die Burg betreten. Dort finden wir ein weitläufiges Gelände vor, von Südost bis Nordost vom Wall geschützt, von Westen dagegen vom natürlichen Abhang in das Lechtal. Vom Wohngebäude kann man noch die Vertiefung erkennen, ab und zu findet man dort einen Ziegelstein. In der mittleren Darstellung ist der Verlauf des Walles gelb, der Abhang zum Lechtal rot und der Standort des Wohngebäudes blau eingezeichnet. Unten kann man diesen Standort noch mal etwas genauer erkennen.



Selbst innerhalb der Burg erreicht der Wall noch recht beeindruckende Ausmaße, wie man auf den folgenden Darstellungen erkennen kann:


Schon etwas genauer hinsehen muss man bei der Vorburg mit Wirtschaftshof, die sich ca. 100 Meter im Norden befindet. Der natürliche Abhang wurde hier versteilert und im Osten ein kleiner Wall aufgeschüttet. In der ersten Darstellung ist mit gelb der Abhang der Vorburg, mit rot das ungefähre Plateau bezeichnet. Auf dem zweiten Doppelbild markieren die roten Linien den kleinen Wall und die gelbe Linie zeigt den Hang zur Vorburg an. Zuletzt ist der Abhang der Vorburg von oben zu sehen.




