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Treuchtlingen

Der Zug springt nach rechts ab, schämt sich jedoch gleich dafür und kehrt voller Reue in einem weiten Linksbogen auf die gerade Strecke nach Treuchtlingen zurück. Ich bin auf Reisen, wieder auf Reisen. Ein Reisender hat Glück. Dieser Gedanke lässt mich verschämt kichern, wie einen kleinen Jungen, der beim Kerschklauen nicht erwischt worden ist.
Keiner merkts, das Abteil ist fast leer; was nicht leer ist, schläft; was schläft, sündigt nicht und sieht keine Sünde nicht.

Ich war noch nie in Indien, darum kommt mir die Fahrt jetzt so vor. Der Zug hält in Meitingen.

Weil wir so langsam sind, müssen wir extra halten - ein ICE überholt, lauter noch, als der Wind, der durch die geschlossenen Fenster zu hören ist. Der ICE ist vorbei und wir haben unsere Demut bewiesen. Wir warten trotzdem noch zehn Minuten extra, wir sind gute Menschen.

Wir fahren über die Donau, als wärs nichts. In Donauwörth will ein Zug nach Warnemünde, das mache ich nicht mit. Nein. Dennoch weiter nach Norden.

Jetzt bin ich also da, es riecht nach Regen. Ein 15-jähriger Raucher macht sich Sorgen, weil ein Zwölfjähriger raucht. Auf der Burg bin ich ganz alleine, obwohl für ein Fest aufgebaut ist. Das war aber schon vor einem Jahr, weil das auf einem Plakat steht. Die Katholische Kirche ist 1933 gebaut worden, deswegen schaut sie trotzdem aus die eine Kröte.

Zurück am Bahnhof bin ich zu früh.
Der Tag hat nur 12 Stunden. Bleiben Sie über Nacht! Natürlich mit AMEROPA.
Libär mit dem VGN zu Flocke & Co.
ReiseZentrum travel center/centre de voyage
zu den Zügen 2-7
Runterlaufen oder Fahrstuhl fahren? Wir haben Zeit. Fahrstuhl fahren.

Jugendliche lachen ekstatisch.
Abendzeitung. Für Franken das Beste.
Eine der Jugendlichen rennt an mir vorbei die Treppe runter.
Elektrischer Betriebsraum. Zutritt nur Befugten gestattet.
Der Bahnhof liegt derart günstig, dass er ausschaut wie groß. Aber er ist so leer, dass man Angst bekommt. Da stimmt was nicht.
Der Zug kommt, weil es zu regnen beginnt.

Wieder in Donauwörth. Zwei Leute mit Fahrrad steigen aus, aber meine Augen schauen lieber den Regentropfen an der Scheibe zu. So viele schon und immer neue wollen dazukommen. Der Zug beschleunigt und sie beginnen zum Spaß einen Wettlauf, aber kurz bevor ein Sieger feststeht, hält der Zug auch wieder. Der Unmut ist bei den Tropfen so arg, dass es aufhört zu regnen und die verbliebenen Tropfen bewegen sich auch nicht mehr, als der Zug wieder anfährt. Man gibt sich stur.

Spät erst sieht mich der Schaffner im sonst leeren Abteil, wir sehen uns an wie zwei Raubtiere, die voreinander erschrecken. Der Kontrolleur besinnt sich als erster. Den Fahrschein bitte. Da schaut er, weil ich einen habe.
Sehr geehrte Damen und Herren, in Kürze erreichen wir Augsburg Hauptbahnhof.

One Response to “Treuchtlingen”

  1. Thomas
    August 6th, 2008 10:22
    1

    Genial!

    Allem voran:
    “Der Zug kommt, weil es zu regnen beginnt.”
    “Der Unmut ist bei den Tropfen so arg, dass es aufhört zu regnen…”
    “Da schaut er, weil ich einen habe.”

    Weiter so…

    Und irgendwann als Buch.
    Print ist nicht tot! ;)

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